Rosi und Hiasl oder Wann ist ein Schimpanse ein Mensch?
Der Newsletter 2/07 von Esperanza

Liebe Freundinnen und Freunde der tierunterstützten Pädagogik!

Was sind Tiere juristisch gesehen? „Personen“? „Sachen“? Bekanntlich kämpft der Verein gegen Tierfab- riken zur Zeit darum, den Schimpansen Rosi und Hiasl im Wiener Tierschutzhaus zu einem Sachwalter zu verhelfen, der ihre Interessen vertreten und für sie gedachte Spendengelder entgegennehmen kann. Das Problem dabei: Ein Sachwalter vertritt üblicherweise Menschen. Um Rosi oder Hiasl juristisch zu „Personen“ erklären zu lassen, will der VGT notfalls bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschen­rechte gehen, auch wenn dies weltweit einzigartig ist, viel mediales Aufsehen erregt und für Belustigung sorgt („Österreicher wollen Affen zum Menschen machen“).

Eigentlich ist das Ganze gar nicht so witzig. Hier gibt es Menschen, die bereit sind, sich für Tiere „zum Affen zu machen“, um ihnen eine ungewisse und möglicherweise qualvolle Zukunft zu ersparen. Menschen, die befürchten, aufgrund der finanziellen Nöte des Wiener Tierschutzvereins könnte sich das Leben von „Rosi“ und „Hiasl“ drastisch verschlechtern. Diese Menschen finden, gerade diese Tiere, die durch Menschen aus ihrem natürlichen Lebensraum gerissen wurden, haben das unbedingte Recht auf Schutz und Versorgung. Auch wenn dies neue Wege erfordert. Wir finden das auch.

Die Diskussion darüber, was es für juristische und politische Konsequenzen hätte, Tiere als Menschen zu klassifizieren, ist verständlich und wird so schnell kein Ergebnis bringen. Es schadet dennoch nicht, sie zu führen, wenn wir dabei wenigstens begreifen: Wir sind verantwortlich für das Leben um uns herum. Wir haben nicht das Recht, Tiere zu „benützen“ und wie ungeliebte Gegenstände zu behandeln. Sie sind unsere Begleiter und wir sollten sie wertschätzen.

Auf Esperanza und nicht nur dort begegnen wir allen Lebewesen mit Respekt,
Martina Kotzina und das Team von Esperanza

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Themen im Juli 2007
E  Geburt von Eselbaby Benjamin!
S  Das Grünbeck-Konzept
P  Stürmische Zeiten
E  Ausstellung „Heilpflanzen“
R  Ab ans Rote Meer – DANKE!
A  Tag der offenen Tür: Esperanza spielt Theater
N  Hintergründe zum „Fall Hiasl und Rosi“
Z  Buchrezension: Der Esel Benjamin
A  Wichtig: Rechtliche Hinweise


Geburt von Eselbaby Benjamin!

Die wohl häufigste Frage der letzten Wochen („Wann – meint ihr – kommt denn nun das Eselbaby zur Welt?“) konnten wir selbst nicht beantworten. Die Tragzeit dauert bei Eseln länger als bei Menschen, auch länger als bei Pferden und lässt sich nur ungefähr schätzen. Elf bis vierzehn Monate, so lange musste die spanische Rieseneselin Rosinante ihr Ungeborenes schon mit sich herumtragen.

Also ließen wir uns von „Benjamin“ überraschen: Als Sonntagskind kam er am 17. Juni unter großer Anteil- nahme der umstehenden Esel und Menschen zur Welt. Die Geburt dauerte nicht länger als eine halbe Stunde und verlief gänzlich unproblematisch. Rosinante forderte ihren Eseljungen auch gleich energisch auf, seine ersten Schritte zu machen. Das war nicht ganz einfach, denn zuweilen hatten Benjamins Beine die lästige Angewohnheit, sich zu verknoten und ihn zu Fall zu bringen. Als es schon etwas besser ging, filmten wir Benjamin bei einer ersten Koppelrunde.

Siehe: „Benjamins erste Bilder“ und „Benjamins erster Film“, www.esperanza.at > Newsticker
Viel Spaß beim Zusehen!

Das Grünbeck-Konzept

Die Geburt von Benjamin lässt uns auch wieder daran denken, dass es an der Zeit ist, die Koppeln und Weideflächen der Esel und Pferde zu vergrößern und zu verbessern. Die Hanglage von Esperanza er- schwert diese Aufgabe. Es geht darum, ebene Böden zu schaffen, aber dazu ist eine kostenintensive Ter- rassierung nötig. Um hier eine optimale Lösung zu finden, lassen wir uns von Franz Grünbeck beraten, der ein neues artgerechtes Stallsystem für Herdentiere entwickelt hat (SIB – Sozial Integrativer Bewegungs- stall), das den Tieren ausreichende Schutz-, Ruhe- und Bewegungsräume bietet.

Die Projektfinanzierung (Aufwand: 100.000 Euro) ist noch ungeklärt, aber wir hoffen auf Unterstützung. Jede Spende bringt uns näher ans Ziel: Verein zur Unterstützung von Esperanza, Sparkasse Wieselburg BLZ 20257, Konto-Nummer: 0410-051650. DANKE!

Stürmische Zeiten

Dass die Tiere am Hof auch in schwierigen Situationen auf die Kids von Esperanza zählen können, haben die wilden Juni-Stürme gezeigt. Bei Aufkommen der Unwetter packten alle ohne Murren und Zögern an. Beim schlimmsten Gewitter gelang es uns sogar, innerhalb weniger als einer Viertelstunde alle Tiere aus dem Freien in den sicheren Hof zu führen und dort zu versorgen. In Windeseile wurden provisorische „Ställe“ gebaut. Glück im Unglück: Die Sturmschäden auf Esperanza halten sich bislang noch in Grenzen. Der entwurzelte Baum im Ziegengehege stört Heidi, Gerry, Franzl und Liesl auch gar nicht. Sie haben ihre stille Freude daran, die Rinde abzufressen.

Ausstellung Heilpflanzen

Esperanza Tipp für NutzgartenliebhaberInnen: Die Ausstellung „Heilpflanzen – Altes Wissen, neue Wissen- schaft“, derzeit im Linzer Biologiezentrum zu sehen.

Mehr dazu unter: www.esperanza.at > Termine und Veranstaltungen

Ab ans Rote Meer – DANKE!

Von 11. bis 25. August macht die Wohngemeinschaft Urlaub in Hurghada/Ägypten. Die Kosten von Hotel und Unterkunft übernimmt dabei der Reiseveranstalter ETI (Express Travel International) und wir danken sowohl Judith, die sich um das Sponsoring bemüht hat als auch Katrin Meusel, der Büroleiterin vom Reisecenter Oberhausen für deren Unterstützung – ohne die beiden wäre dieser Urlaub nicht möglich gewesen!

Alex, Judith und Claudia können bereits als „Open Water Diver“ anreisen. Den praktischen Teil der Ausbil- dung haben sie im letzten Jahr in Sveta Marina in Kroatien absolviert, nun ist vor kurzem Dr. Heinz Hasch, der Leiter des Institutes für Scuba-Neuro-Rehabilitation noch extra zu uns gekommen, um sie mit den theoretischen Grundlagen des Tauchens vertraut zu machen und sie zu prüfen. Alle haben bestanden – wir gratulieren!

Tag der offenen Tür: Esperanza spielt Theater

Besuchen Sie uns am 14. September 2007 auf Esperanza! Einer der schönsten Höhepunkte unseres „Tages der offenen Tür“ wird ein ungewöhnliches Theaterstück sein, das den Gästen Szenen aus dem täglichen Leben der Wohngemeinschaft bietet. Es ist das Ergebnis eines intensiven Workshops, den die Kinder, Jugendlichen und BetreuerInnen gemeinsam mit der erfahrenen Theaterpädagogin Mag. Dagmar Ransmayr im Vorfeld gestalten.

Hintergründe zum „Fall Hiasl und Rosi“

1982 landeten im Regenwald von Sierra Leone zwei Affenbabys in den Kisten der Wildfänger, um als Ver- suchstiere für die Pharmafirma Immuno nach Europa verschleppt zu werden. Dass sie am Flughafen von Wien wegen Verletzung des Washingtoner Artenschutzabkommens beschlagnahmt und schließlich dem Wiener Tierschutzverein überantwortet wurden, rettete sie vor den Quälereien im Dienste der Wissen- schaft. Es kam zu einem jahrelangen Rechtsstreit, den die TierschützerInnen für sich gewinnen konnten. Mittlerweile leben Rosi und Hiasl bereits seit 25 Jahren im Tierschutzhaus.

Sie haben mehr Glück gehabt als die etwa gleichaltrigen 44 Schimpansen, die auf dem Gelände des ehe- maligen Safariparks Gänserndorf leben – sie sind mit HIV oder Hepatitis infizierte ehemalige Versuchstiere („PensionistInnen“) des Pharmakonzerns Baxter, der die Immuno AG 1997 übernommen hat. In Gänsern- dorf sollten sie ein neues Leben beginnen. Mit dem Konkurs des Safariparks war es aber wieder Schluss mit der „rosigen Zukunft“. Nun soll Gänserndorf mit Förderungen des Landes Niederösterreich als „Naturerlebnispark“ wieder eröffnet werden. Das neue Konzept schließt die Schimpansen aber nicht mit ein, deren Lebenskosten nicht gänzlich von Baxter abgedeckt werden und die mangelbetreut sind. Das geplante Außengehege wurde nie fertig gestellt, es fehlt daher der Auslauf im Freien.

Seit Jänner 2006 sind Versuche an allen Menschenaffen in Österreich verboten – ein großer Erfolg. Das ist aber noch nicht genug.

www.greatapeproject.org, www.vgt.at, www.affen.at und www.esperanza.at > Links > Ein Herz für Tiere

Buchrezension: Der Esel Benjamin

Seit über 30 Jahren fasziniert die in Schwarz-Weiß-Fotos erzählte Geschichte von Susi und dem kleinen Esel Benjamin, die sich in Griechenland begegnen und Freundschaft schließen, kleine und große Kinder. Nun hat der Patmos Verlag den „Esel Benjamin“ nicht nur in der 37.(!) Auflage wiederbelebt, sondern auch im Mini-Format veröffentlicht – ein ideales kleines Überraschungsgeschenk. Esperanza warnt: Dieses Buch kann Sehnsüchte wecken. Und möglicherweise das spätere Leben beeinflussen!

Limmer, Hans: Mein Esel Benjamin. Patmos (Sauerländer), 2006. In der Mini-Ausgabe: 2007.

Weitere Mediaempfehlungen finden Sie unter „Mediainfos“ auf unserer Website.

WICHTIG: Rechtliche Hinweise > Newsletter 3/07 von Esperanza – Bitte anmelden!

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IMPRESSUM
Medieninhaberin: ESPERANZA, Mag. Martina Kotzina – Redaktion: viennAventura, Mag. Priska Steger

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