Erhiehungscamps oder Soll das die passende Lösung zum Thema Jugendkriminalität sein?
Der Newsletter 1/08 von Esperanza

Liebe Freundinnen und Freunde der tierunterstützten Pädagogik!

Es ist uns ein besonderes Bedürfnis, uns an dieser Stelle in die aktuelle Diskussion zur „steigenden
Jugendkriminalität“ einzubringen.

Kein Kind wird gewaltbereit, bindungsunfähig, kriminell, unmotiviert, unsozial etc. geboren. Es gibt viele
Antworten auf die Frage nach dem Grund, weshalb ein Kind irgendwann in eine solche Bewertungsschub-
lade gerät, letztendlich genauso viele, wie es Menschen gibt. Jeder Fall ist demnach individuell zu bewer-
ten. Was allerdings allen Fällen gemein ist, sind vertrauensbrechende Traumatisierungen, verunsichernde
Strukturen, destruktive Sozialisierungs- und unklare Erziehungsangebote sowie meist mangelhafte Zeit-
ressourcen der „EntwicklungsbegleiterInnen“. Gewalt in welcher Ausprägung auch immer, Gefühlskälte
und Lieblosigkeit sind Erfahrungen, die das Fass schließlich zum Überlaufen, zum „Reagieren“ bringen
können. Als Antwort auf die sich daraus ergebenden und unübersehbaren Probleme „Erziehungscamps“
herbei zu diskutieren, quasi „Gleiches mit Gleichem“ lösen zu wollen, ist wohl Ausdruck einer gewissen
Verzweiflung, aber auch einer Unfähigkeit, damit anders und besser umzugehen.

Die Auflösung des Jugendgerichtshofes, Einsparungen bei Spezialeinrichtungen für Jugendliche, klare Ab-
sagen hinsichtlich notwendiger Individualbetreuungen – all das sind Ergebnisse politischer (budgetärer)
Entscheidungen der letzten Jahre. Die aktuelle Diskussion kann höchstens klar aufzeigen, wo wir stehen
und was die logischen Konsequenzen aus dieser Bestandsaufnahme sein müssen: die getroffenen
(Fehl- )Entscheidungen wieder rückgängig zu machen. Noch signifikantere Beweise und Gründe für eine
Umkehr kann die Praxis wohl nicht bieten. Wozu noch länger warten? Wäre das nicht absurd? Diese Fehl-
entscheidungen werden auf dem Rücken unserer Kinder und Jugendlichen ausgetragen. Dass unsere
Gesellschaft dies letztendlich um vieles teurer zu bezahlen hat, als sie gerade einzusparen versucht,
ist eine einfache Rechnung.

Die Wohngemeinschaft von Esperanza setzt seit Jahren auf familienähnliche Kleingruppen, auf Geduld,
Zeit und Sicherheit, auf die konsequente und individuelle Betreuung der Kinder und Jugendlichen. Unsere
Tiere unterstützen uns Menschen dabei und sind uns große Vorbilder, gerade wenn es um bedingungslose AKZEPTANZ geht.

Unsere Erfolge bestätigen diesen Weg!
Martina Kotzina und das Team von Esperanza

P.S.: Wenn Sie daran interessiert sind, den Esperanza Newsletter regelmäßig zu erhalten, tragen Sie sich
doch bitte in unseren Verteiler ein.

Themen im Februar 2008
E  Was Sie zum Thema „Erziehungscamps“ noch wissen sollten
S  Dringend: Meerschweinchen-Lebenspartnerin für Gonzo gesucht
P  Hubert ist wieder fit! Danke!
E  Betrifft: Traktor
R  Betrüger in Sachen Esperanza unterwegs!
A  Das Jahr des Frosches
N  Esperanza singt!
Z  Buchrezension: Mensch und Tier im Dialog
A  Wichtig: Rechtliche Hinweise

Was Sie zum Thema „Erziehungscamps“ noch wissen sollten

Im Rahmen einer kurzfristigen Planung wirken „Drillprogramme“ weniger zeitaufwendig (= billiger) als der
Weg der steten Konsequenz eingebettet in ein professionelles Beziehungsangebot. Laut Studien beläuft
sich die Rückfallquote von AbgängerInnen aus Erziehungscamps auf 60% bis 70%. Trotz des guten Willens
der BetreiberInnen (den wir ihnen gar nicht absprechen wollen) ist dies ein Ergebnis, das nach so kurzer
Zeitspanne der Intervention gar nicht anders aussehen kann. Würden unterstützende Maßnahmen für
Jugendliche früher angesetzt werden und auch nicht so früh beendet werden müssen (nach jetziger Ge-
setzgebung bei Erreichen der Volljährigkeit mit 18, spätestens und bestenfalls mit 21 Jahren), wäre der
Ruf nach Erziehungscamps möglicherweise gar nicht zu hören. Welche Familie stellt ihre Kinder mit 18 oder
21 Jahren bedingungslos auf die Straße und überlässt sie ihrem eigenen Schicksal?

Noch etwas: Erst kürzlich sprach sich ein geschätzter Kollege im Rahmen der ORF-Sendung „Report“ (Sen-
determin: 22.1.2008) mit den Argumenten der notwendigen Empathie und Konsequenz im Umgang mit
delinquenten Jugendlichen ebenfalls für den Weg eines kleinstrukturierten WG-Angebotes aus. Die Spre-
cherin fragte im Anschluss daran die österreichische Justizministerin Dr. Maria Berger, ob die geforderte
„Konsequenz“ für die Erziehungscamps spricht. Eine klassische Missinterpretation. Konsequenz ist hier nicht als „Drill“ gemeint. Sie muss und kann nur in einem empathischen Rahmen mit genügend Zeit statt-
finden, um heilend zu wirken!

Dringend: Meerschweinchen-Lebenspartnerin für Gonzo gesucht

Bis vor einigen Wochen lebten zwei Meerschweinchen am Hof von Esperanza: Goldi und Gonzo. Nun ist
Goldi leider an Altersschwäche gestorben und Gonzo braucht dringend neue Gesellschaft der eigenen Art:
idealerweise ein sterilisiertes Weibchen etwa im gleichen Alter (ca. 6 Jahre alt). Meerschweinchen sind
sehr gesellige Tiere und benötigen in jedem Fall mindestens ein bis zwei Partner. Wenn Sie vielleicht
selbst zu Weihnachten ein Meerschweinchen bekommen haben, denken Sie bitte auch daran: Meer-
schweinchen sind keine idealen „Streicheltiere“. Diese Form der Annäherung, gegen die sich diese Tiere
ja nicht wehren können, bedeutet für sie großen Stress. Deswegen verfallen sie dann meist in einen Zu-
stand der Starre. Es ist außerordentlich wichtig, auch den Kindern beizubringen, sie richtig zu behandeln
und auf ihre besonderen Bedürfnisse einzugehen. Meerschweinchen sind tagaktiv und sehr bewegungs-
freudig. Je größer das Gehege und die Zahl an Versteckmöglichkeiten, desto besser. Man sollte sie zwei-
bis dreimal täglich füttern, am besten mit Äpfeln, Karotten, hartem Brot, Heu, Gemüse, Trockenfutter oder
frischem Gras aus dem Garten.

Hubert ist wieder fit! Danke!

Der Flohmarkt der Kinder und Jugendlichen von Esperanza am „Tag der offenen Tür“ im September des
vergangenen Jahres hat Geld eingebracht, mit dem eine Osteopathin engagiert werden konnte, um
unserem bereits 24 Jahre alten Pferd Hubert zu helfen, das bitter unter seinen Arthrosen und Verspan-
nungen zu leiden hatte. Vor der Behandlung ist es Hubert sehr schwer gefallen, noch Reiter zu tragen.
Nach zwei Therapieeinheiten geht es ihm nun bereits wesentlich besser. Herzlichen Dank an alle Floh-
markt-KäuferInnen für die Unterstützung!
Hubert genießt momentan unsere Ausritte und ist froh darüber,
sich wieder schmerzfrei bewegen zu können.

Betrifft: Traktor

Esperanza bittet um Ihre Mithilfe und Unterstützung, was die Anschaffung eines Traktors betrifft:
Type: Allradtraktor, Leistung: 33 KW (45 PS) bis 74 KW (100 PS), Zubehör: idealerweise ein Frontlader;
Baujahr, Fabrikat, Betriebsstunden: egal; DANKE!

Betrüger in Sachen Esperanza unterwegs!

Uns ist zu Ohren gekommen, dass im Großraum Linz Menschen unterwegs sind, die behaupten, Spenden
für Esperanza zu sammeln. Sie haben eine Mappe mit, in der sie Bilder präsentieren, die offensichtlich aus
dem Downloadbereich unserer Website stammen. Das ist eine Betrugsaktion! Lassen Sie sich nicht täu-
schen! Esperanza geht nicht von Tür zu Tür, um Spenden zu sammeln. Kein Cent von dem Geld, das Gut-
gläubigen hier abgeknöpft wurde, ist je an uns gelangt.

Selbstverständlich aber freuen wir uns, wenn Sie uns in unseren Projekten unterstützen wollen, indem Sie
eine einmalige Spende leisten oder eine Tierpatenschaft übernehmen. Bitte wenden Sie sich direkt an uns,
benützen Sie das Spendenformular unserer Website oder überweisen Sie auf dieses Konto: Verein zur
Unterstützung von Esperanza, Sparkasse Wieselburg BLZ 20257, Konto-Nummer: 0410-051650
. Wir dan-
ken allen SpenderInnen!

Das Jahr des Frosches

Der „Europäische Laubfrosch“ ist zur „Amphibie des Jahres 2008“ gekürt worden und die Weltschutzor-
ganisation IUCN und der Weltzooverband WAZA setzen alles daran, auf das größte Massensterben seit
dem Verschwinden der Dinosaurier aufmerksam zu machen: Bereits ein Drittel bis die Hälfte der rund
6000 Frösche, Kröten, Unken, Salamander, Molche und Blindwühlen sind vom Aussterben bedroht. Wie
Sie helfen können: www.amphibianark.org

Esperanza singt!

Esperanza hat sich eine Playstation zugelegt und übt sich nun auch im Karaoke-Singen. Karaoke-Pro-
gramme sind eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung und eine gute Alternative zu anderen PC-Games. Sie
garantieren Freude an der Gemeinschaft, Spaß und Ausgelassenheit. Nicht nur WissenschaftlerInnen,
PhilosophInnen und GesangspädagogInnen verweisen heute immer wieder auf die wohltuende und
heilsame Kraft des Singens, auch wir können die wundervolle Wirkung bei unseren Kindern und Jugend-
lichen nur bestätigen und legen diese Karaoke-Spiele allen Erwachsenen (die in der Kinder- und Jugend-
arbeit tätig sind) wärmstens ans Herz!

Und wie sagte der große Geigenvirtuose Yehudi Menuhin in einem Gedicht:
Das Singen ist die eigentliche Muttersprache aller Menschen:
Denn sie ist die natürlichste und einfachste Weise,
in der wir ungeteilt da sind und uns ganz mitteilen können –
mit all unseren Erfahrungen, Empfindungen und Hoffnungen.

Buchrezension: Mensch und Tier im Dialog

Wenn wir die Ausdrucksmöglichkeiten der Tiere kennen und wissen, wie wir mit ihnen „ins Gespräch“
kommen können, gelingt der Dialog zwischen Mensch und Tier verständlicherweise viel besser. In diesem
umfangreichen und praxisbezogenen Nachschlagewerk mit vielen Beispielen und Anleitungen formuliert die
erfahrene Verhaltensforscherin fünf Grundmethoden der tiergestützten Arbeit, geht dabei auf einzelne
Tierrassen speziell ein und setzt sich auch mit den verschiedenen Berufsfeldern und dem wichtigen Thema
der Qualitätssicherung auseinander. Fazit: Ein gut gelungener Versuch, die Vielfalt und Bedeutung der
Arbeit in tiergestützten Einrichtungen konkret zu dokumentieren. Schade nur, dass Esperanza in dieser
Ausgabe noch nicht erwähnt wurde.

Otterstedt, Carola. Mensch und Tier im Dialog. Kommunikation und artgerechter Umgang mit Haus- und Nutztieren. Methoden der tiergestützten Arbeit und Therapie. Kosmos Verlag, 2007

Weitere Mediaempfehlungen finden Sie unter „Mediainfos“ auf unserer Website.

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IMPRESSUM
Medieninhaberin: ESPERANZA, Mag. Martina Kotzina – Redaktion: viennAventura, Mag. Priska Steger

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