Der „Fall Amstetten“ oder Über den Wert einer Imagekampagne für Österreich
Der Newsletter 3/08 von Esperanza

Liebe Freundinnen und Freunde der tierunterstützten Pädagogik!

Der „Fall Amstetten“ hat für kräftige Schlagzeilen gesorgt und im In- und Ausland heftige Debatten über „die Abgründe der österreichischen Seele“ und „das Wesen der Alpenrepublik“ ausgelöst. Die österrei-
chische Bundesregierung wollte eine Imagekampagne starten, weil sie sich um den Ruf Österreichs zu
sorgen begann. Und die österreichische Bevölkerung fragte sich, wie es sein konnte, dass eine zustän-
dige Sozialarbeiterin bei ihren Besuchen nichts Auffälliges bemerkte. Trägt die Jugendwohlfahrt eine Mit-
schuld? Wer hat denn da seine Arbeit „nicht g'scheit gemacht“? Wer hätte die Kinder retten können?

Darauf eine Antwort finden zu wollen, ist müßig. Im besten Fall können solche Diskussionen das gesell-
schaftliche Bewusstsein für gefährdete Kinder und für die Notwendigkeit des Ausbaus von Hilfssystemen
schärfen. Die Ressourcen im Bereich der ambulanten und stationären Jugendwohlfahrt sind auch in Öster-
reich nahezu erschöpft, so heißt es aus den Kreisen derer, die tagtäglich damit zu tun haben. Selbst die
engagiertesten SozialarbeiterInnen gelangen an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit, wenn sie einen
Sprengel mit mehreren 1000 EinwohnerInnen zu betreuen haben. Das ist offensichtlich gesellschaftlich so
lange „kein Problem“, bis „etwas Schlimmes geschieht“. Die spektakulären Fälle von Kindesmissbrauch,
die die Auflagen der Boulevardzeitungen in die Höhe treiben, sind jedoch nur die Eisbergspitze der Not-
situation von Österreichs Kindern. Und da sollte sich Österreichs Bundesregierung und Öffentlichkeit
fragen, was Österreichs Kinder und deren Familien an Unterstützung jetzt und in Zukunft brauchen und
deren Bedürfnissen gemäß handeln – das ist Imagekorrektur genug.

Qualität hat ihren Preis und muss stets verteidigt werden. Auch wir kämpfen in unserem Bereich immer
wieder um bessere Bedingungen – sie spiegeln sich in unserer verstärkten Betreuungsintensität. Drei
Millionen Euro hätte die Imagekampagne für Österreich gekostet – dieses Geld könnte die Jugendwohl-
fahrt wirklich dringend benötigen!

Wir sehen uns hoffentlich bei unserem 10-Jahresfest am 21. Juni am Zandlberg!
Martina Kotzina und das Team von Esperanza

P.S.: Wenn Sie daran interessiert sind, den Esperanza Newsletter regelmäßig zu erhalten, tragen Sie sich
doch bitte in unseren Verteiler ein.

Themen im Mai 2008
E  10-Jahresfest von Esperanza – Die letzten Vorbereitungen
S  Forderungen von SOS Jugendwohlfahrt
P  Neuer Esperanza-Folder!
E  NHM Wien-Sonderausstellung „Rettungseinsatz Artenschutz“
R  Erfolgsmeldungen aus dem Esperanza-Team
A  Rückblick: EU-Konferenz 2008 „Mensch & Pferd im Dialog“
N  Earthwatch Guide 2008
Z  Buchrezension: Schlepping durch die Alpen
A  Wichtig: Rechtliche Hinweise

10-Jahresfest von Esperanza – Die letzten Vorbereitungen

Alles neu macht der Mai: Noch ist unser Hof am Zandlberg eine große Baustelle und die Bagger stehen Tag
und Nacht vor der Tür, aber wir hoffen, alle Renovierungs- und Sanierungsarbeiten im Innen- und Außen-
bereich von Esperanza bis zu unserem Fest am 21. Juni zum erfolgreichen Abschluss zu bringen. Beson-
ders freuen wir uns auf den „Mensch-Tier-Begegnungspavillon“, der bei unseren FestbesucherInnen sicher besonderen Anklang finden wird.

Auch unser Programm steht nun fest und verspricht viel Freude und Unterhaltung:
11:00 Uhr   Festbeginn
13:30 Uhr   Begrüßung und Festakt mit prominenter Unterstützung
14:30 Uhr   Esperanza spielt Theater
13:00 bis 18:00 Uhr   Kindereien mit Müller's Freunden
18:00 Uhr   Auftritt der Band „rejoyce“

Ganztags „Grillen & Chillen“, bei Einbruch der Dunkelheit „Sonnwendfeier 2008“ und für alle Fußballfans
haben wir auf Wunsch auch einen EM 2008-Corner eingerichtet!
Sachbuchautorin und Verhaltensfor-
scherin Dr. Carola Otterstedt sowie Landesrätin Gabriele Heinisch-Hosek haben ihr Kommen bereits fix
zugesagt.

Dringend: Wir können noch jede Form von Hilfe gebrauchen und suchen nach wie vor nach Leuten, die uns
vor und beim Fest helfen können bzw. auch danach, wenn es darum geht, wieder zum „ganz normalen
Alltag“ zurückzukehren: info@esperanza.at

Forderungen von SOS Jugendwohlfahrt

Die Gewerkschaft der Gemeindebediensteten Wiens hält heute (27. Mai 2008) um 14:00 Uhr eine „Dienst-
stellenversammlung“ für Prävention statt Überwachung ab und fordert unter anderem für die laufende
Gesetzesreform der österreichischen Jugendwohlfahrtsgesetzgebung:

• die Festschreibung der Ausbildungs- und Fortbildungsstandards, einer einheitlichen Falldokumentation,
einer einheitlichen Berechnung der nötigen Personalkapazitäten nach sozialarbeitswissenschaftlichen
Kriterien

• die Schaffung einer Jugendwohlfahrtsagentur zur Prozesssteuerung, Festschreibung und Weiterent-
wicklung der Jugendwohlfahrtsstandards unter Einbeziehung der Kinder- und Jugendanwaltschaften, von
Berufsverbänden, des Österreichischen Gewerkschaftsbundes, der Arbeiterkammer und freien Trägern der
Jugendwohlfahrt

• genauere Festschreibung der Zusammenarbeit mit den Schnittstellen zum Jugendwohlfahrtssystem

• die Festschreibung der UN-Kinderrechtskonvention im Jugendwohlfahrtsgesetz und in der Bundes-
verfassung.

Neuer Esperanza-Folder!

Derzeit in Druck befindet sich ein aktualisierter und von dianimation und viennAventura völlig neu gestalteter Esperanza-Folder. Anfang Juni soll die erste Auflage geliefert werden. Vorbestellungen bereits möglich unter: info@esperanza.at

NHM Wien-Sonderausstellung „Rettungseinsatz Artenschutz“

Bis 31. Dezember 2008 präsentiert das Naturhistorische Museum Wien schutzbedürftige Tierarten Öster-
reichs. Es will mit diesem Projekt Ursachen von Artgefährdungen beleuchten und Möglichkeiten darstellen,
wie die Artenvielfalt noch gerettet werden kann. Vielen Menschen ist die Problematik gar nicht bewusst:
Bei der Planung von Artenschutzprogrammen stehen üblicherweise große, auffällige und bekannte Arten
im Zentrum. Die unbekannten und unauffälligen wie Schleiereule, Moorente, Haubenlerche und Heide-schnecke laufen Gefahr, geradezu unbemerkt von der Bildfläche zu verschwinden. Informationen dazu
stehen auch zum Download bereit unter: www.nhm-wien.ac.at

Erfolgsmeldungen aus dem Esperanza-Team

Frank Jacobi aus unserem pädagogischen Team war beim traditionsreichen „Vienna City Marathon“ am
27. April dabei: Mit einer Zeit von 4 Stunden und 8 Minuten läuft ihm auf 42 Kilometern so schnell kein
Jugendlicher mehr davon. Und wir freuen uns sehr, dass unsere Tierpflegerin Melanie Bauer am 20. Mai
ihre Lehrabschlussprüfung mit Auszeichnung bestanden hat! BRAVO!

Rückblick: EU-Konferenz 2008 „Mensch & Pferd im Dialog“

Der Austausch mit anderen Einrichtungen der Jugendwohlfahrt ist für Esperanza sehr wichtig und trägt
wesentlich dazu bei, neue Ideen zu entwickeln. Wir wollen den MitarbeiterInnen von e-motion an dieser
Stelle zur Eröffnung der von ihnen hervorragend durchdachten Reit- und Therapieanlage und vor allem
auch zur gelungenen Durchführung der EU-Konferenz im Otto Wagner-Spital in Wien gratulieren. Beson-
ders beeindruckend war der Vortrag „Der unschlagbare Glanz in ihren Augen – Dialog zwischen dem Pferd
und von Gewalt traumatisierten Kindern“ von Dr. Mag. Gondi Kunz, die als Kinderpsychologin und Reit-
therapeutin u. a. im Wiener Frauenhaus tätig ist.

Links: www.pferd-emotion.at und www.appteam.at

Earthwatch Guide 2008

Auch 2008 bietet das internationale Forschungsinstitut „Earthwatch“ wie schon seit mehr als 35 Jahren
wieder weltweit ein- bis dreiwöchige wissenschaftliche Expeditionen an, an denen Sie auch ohne ein-
schlägige Vorkenntnisse teilnehmen können, sofern Sie über die nötigen finanziellen Mittel verfügen, gut
Englisch sprechen und älter als 16 Jahre sind (SchülerInnen und StudentInnen können ein Stipendium
beantragen). Als Alternative zu einem Pauschalurlaub ist ein Besuch bei den Walen in British-Kolumbien,
den Löwen von Tsavo oder den Affen von Costa Rica sicher ein faszinierendes Abenteuer.

Den Katalog können Sie anfordern unter: www.earthwatch.org/europe

Buchrezension: Schlepping durch die Alpen

Hans Breuer, der letzte Wanderschäfer Österreichs, kommt im Juli 2000 nach Manhattan, hält dort Vor-
träge über Rassismus, zeigt Bilder von seinen Schafen und singt jiddische Lieder. Im Publikum befindet
sich ein junger jüdischer Journalist, der auf Anhieb so beeindruckt und fasziniert von dem kuriosen Mann
ist, dass er beschließt, nach Österreich „ins Herz des Nationalsozialismus“ zu reisen und Hans und seine
625 Schafe eine Zeit lang zu begleiten. Bald erfährt er schmerzlich, dass seine Spaziergänge durch den
Central Park nicht die richtige Vorbereitung auf alpine Herausforderungen waren.

Ein umstrittener Roman, was Sam Apples Einschätzung der politischen Situation in Österreich und des
Umgangs der ÖsterreicherInnen mit der NS-Vergangenheit des Landes betrifft. In jedem Fall aber ein
interessantes Porträt von Hans Breuer, der seit über 30 Jahren Schafe hütet und den Beruf des Wander-
schäfers wieder zum Leben erweckt hat. Übrigens: Unsere „Hexi“ stammt aus der Schafherde von Hans
Breuer!

Apple, Sam: Schlepping durch die Alpen. Ein etwas anderes Reisebuch. Atrium Verlag, 2007

Weitere Mediaempfehlungen finden Sie unter „Mediainfos“ auf unserer Website.

WICHTIG: Rechtliche Hinweise > Newsletter 4/08 von Esperanza – Bitte anmelden!

Wegen der geänderten Gesetzeslage im Rahmen des Telekommunikationsgesetzes bitten wir Sie um Ihre
ausdrückliche Zustimmung, wenn Sie von nun an regelmäßig den Newsletter von Esperanza erhalten wol-
len. Sie erfolgt durch Abonnieren des Newsletters.

Sie können sich auch später jederzeit vom Newsletter abmelden (Antwortmail mit dem Betreff: NEWS-
LETTER ABMELDEN senden). Ihre Daten werden nicht an Dritte weitergegeben.

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

IMPRESSUM
Medieninhaberin: ESPERANZA, Mag. Martina Kotzina – Redaktion: viennAventura, Mag. Priska Steger

Die Infos wurden sorgfältig ausgewählt. Es wird jedoch keine Haftung übernommen. Verwendung des
„ESPERANZA NEWSLETTER“ (erscheint 6 x jährlich mit Informationen, Terminen und Veranstaltungen
von Esperanza im Rahmen der tierunterstützten Pädagogik) über den privaten Gebrauch hinaus bitte
ausschließlich nach Rücksprache.

© ESPERANZA – Zentrum für tiergestützte Pädagogik
Zimmerau 5, A-3281 Oberndorf an der Melk • info@esperanza.at • +43–(0)7483–7720