Niedliche Norikerfohlen oder Die Nachfrage bestimmt das Angebot
Der Newsletter 4/08 von Esperanza

Liebe Freundinnen und Freunde der tierunterstützten Pädagogik!

Wir möchten diesen Newsletter ganz explizit jenen Menschen widmen, die sich ehrenamtlich und oft unter
höchst schwierigen Bedingungen für den Schutz und die Rettung von gefährdeten Tieren engagieren und
ihnen dafür danken. Für uns Menschen am Hof von Esperanza, die tagtäglich die heilsame Wirkung von
Tieren beobachten können, ist es ganz selbstverständlich, uns nicht nur zu fragen, was unsere Tiere uns
und den Kindern und Jugendlichen geben können, sondern auch: „Was können wir den Tieren Gutes tun?
Welche Bedürfnisse haben sie? Wie können wir ihre Lebensbedingungen verbessern?“ Umso schockieren-
der sind in diesem Zusammenhang immer wieder Nachrichten wie jene von den „Fohlen für die Schlacht-
höfe“, die uns vor kurzem von Andrea Hagn zugetragen wurde. Alljährlich versuchen TierschützerInnen auf
den großen Pferdeauktionen im Alpenraum Haflinger- und Norikerfohlen freizukaufen, die sonst in (italieni-
schen) Schlachthöfen landen würden, weil sie nicht das gewünschte Erscheinungsbild haben oder als „Ab-
fall der Stutenmilchproduktion“ gelten. (Mehr darüber unter: Fohlen für die Schlachthöfe)

Nicht jede(r) fühlt sich dazu berufen, im Metzgerkostüm mit Protestaktionen die Medien auf sich aufmerk-
sam zu machen, um die Züchter zur Umkehr zu zwingen. Doch eines ist auch klar: Die Nachfrage bestimmt
das Angebot. Jene, die kaufen, zahlen, konsumieren, verantworten auch mit, was in großen Mengen pro-
duziert wird. Denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal mit der „naturreinen frischen Stutenmilch zur
Regeneration und Förderung aller Heilungsprozesse der Haut“ liebäugeln. Oder auf einer feinen Speise-
karte vom „Fohlenfleisch“ lesen. „Das enorme Tierleid der heutigen Zeit entsteht nicht durch die Bösartig-
keit einiger weniger, sondern durch die Unwissenheit von sehr vielen“, so steht es auf der Website des
Vereins „RespekTiere“ zu lesen.

In diesem Sinne widmen wir diesen Newsletter daher auch jenen Menschen, die mit ihren vielen kleinen
Kaufentscheidungen täglich unsere Welt prägen, zum Guten wie zum Schlechten. Soll heißen: Uns allen.

Herzliche Grüße, Martina Kotzina und das Team von Esperanza

P.S.: Wenn Sie daran interessiert sind, den Esperanza Newsletter regelmäßig zu erhalten, tragen Sie sich
doch bitte in unseren Verteiler ein.

Themen im Juli und August 2008
E  Rückblick: 10-Jahresfest von Esperanza
S  Fohlen für die Schlachthöfe
P  Ponytreck zur Nordsee
E  AGES-Projekt zur Bienengesundheit
R  Verein „Kleine Wildtiere in Not“
A  Artenschutzprojekt Waldrappteam
N  Kongress „Mensch und Tier 2008“ und 4. Internationales TAT-Symposium
Z  DVD-Rezension: Ana Ex
A  Wichtig: Rechtliche Hinweise

Rückblick: 10-Jahresfest von Esperanza

Wie meist bei unseren Festen hatten wir auch am 21. Juni sowohl großes Glück mit dem Wetter wie auch
mit unseren Gästen! Wir hoffen, dass sich alle wohl gefühlt und den Tag mit uns genossen haben. Für sie
und auch für jene, die leider nicht dabei sein konnten, haben wir einige Impressionen vom 10-Jahresfest
in unserer Fotogalerie zusammengestellt: Leben am Hof > Fotogalerie

Fohlen für die Schlachthöfe

Im Sommer weiden die niedlichen Haflinger- und Norikerfohlen auf den grünen Almen und bereichern die
touristische Kulisse, im Herbst werden sie auf den großen Pferdemärkten in Salzburg, Oberösterreich oder
Tirol präsentiert. Die besten Fohlen werden prämiert und gereiht, dann äußerst gewinnbringend verstei-
gert. (Bei einem Haflingerfohlen müssen Schwanz und Mähne schon perfekt weiß sein und das Fell fuchs-
farben. Jede dunkle Strähne gilt als „Abweichung“.) Solchen Kriterien folgend haben die meisten Fohlen
ihren Nutzen für die Züchter bereits im Alter von wenigen Monaten verloren und gelten nur noch als „Schlachtgewicht“. Ein Großteil von ihnen gelangt in Viehtransportern zu italienischen Schlachthöfen. Die
Mehrheit der österreichischen Haflinger- und Norikerfohlen sind reine „Überschussproduktion“ – dies be-
trifft bis zu 96 % der männlichen Fohlen!

Würde die Deckungsprämie für das Decken der Stuten der „seltenen Nutztierrassen“ drastisch erhöht,
könnte sich das schlagartig ändern. Je mehr Menschen von diesen Vorgängen erfahren, desto eher finden
diese Grausamkeiten ein Ende. Mehrere Tierschutzorganisationen bemühen sich seit Jahren um Aufklärung
und Freikäufe. Eine schwierige und kostenintensive Aufgabe, denn ein Fohlen kostet mehrere Hundert
Euro und soll ja auch anschließend einen guten Platz finden.

Wer kann einem der frei gekauften Tiere einen Platz schenken bzw. eines aufnehmen? Rückfragen bitte
an: Andrea Hagn (Tel: +43 (0)699 815 18 240) Weitere Infos auch unter: www.animal-spirit.at

16. August 08 = Haflingerversteigerung in Annaberg
24. August 08 = Stuten- und Fohlenversteigerung in Mautern
28. August 08 = Fohlenversteigerung in Abtenau
23. + 30. September + 4. Oktober 08 = Fohlenversteigerung in Maishofen
jeden 1. Samstag im Monat Pferdemarkt in Miesbach/Bayern

Ponytreck zur Nordsee

Gemeinsam mit Betreuer Frank Jakobi machen einige Kinder und Jugendliche von Esperanza zurzeit einen
ganz ungewöhnlichen Urlaub in Deutschland. Sie ziehen mit dem Ponytreck der Stadt Hannover drei Wo-
chen lang von Hannover quer durch Wälder und über Wiesen nach Otterndorf an der Nordsee – mit einem
Planwagen, der von zwei Kaltblutpferden gezogen wird und 16 Reitponys für 22 Mädchen und Burschen.
Das ist kein reines Vergnügen. Von Station zu Station gilt es etwa 30 Kilometer zu schaffen, und zwar bei
jedem Wetter. Jeder zweite Tag dient als Pausentag zur Erholung. Übernachtet wird auf Bauernhöfen, ge-
kocht mit Hilfe einer mitgeführten Feldküche.

AGES-Projekt zur Bienengesundheit

Vor dem Hintergrund des Bienensterbens in Deutschland bereitet die AGES, die Österreichische Agentur
für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH, nun ein Projekt zur Bienengesundheit in Österreich vor.
Der Projektplan umfasst neben der Erhebung der möglichen Belastung der Bienen durch Pflanzenschutz-
mittelrückstände auch die umfassende Analyse des Gesundheitszustandes betroffener Bienenvölker. Nach
den Angaben der Imkervereinigungen sind von den rund 300.000 Bienenvölkern rund 3000 Völker ge-
schwächt. www.ages.at (Website-Tipp!)

Verein „Kleine Wildtiere in großer Not“

Wildschweine, Füchse, Eichhörnchen, Rehe, Dachse, Fledermäuse ... man möchte kaum glauben, wie viele
Wildtiere tagtäglich in Not geraten. Dieser von Monika Großmann gegründete Verein in der Steiermark
nimmt seit vielen Jahren verletzte wie unverletzte Tierfindlinge auf, um sie zu pflegen, zu versorgen, auf-
zuziehen und schließlich auch wieder optimal auszuwildern.

In den Anfängen von „Kleine Wildtiere in großer Not“ wurden etwa 50 Tiere pro Jahr gerettet, 2006 stieg
die Zahl auf über 800 und 2007 sogar auf über 1.700 Tiere. Nun sucht der Verein aus Platzmangel nach
einer neuen kostengünstigen Bleibe für sich und all die Schützlinge. In Graz oder Graz Umgebung, um
weiterhin auch gut mit der Tierrettung und der Feuerwehr zusammenarbeiten zu können.
Wer weiß etwas Passendes oder kann und will spenden bzw. ehrenamtlich helfen?

Verein für „Kleine Wildtiere in großer Not“, Hilmteichstraße 77a, 8010 Graz, mobil: +43 (0)650 6452 535
www.wildtiere-in-not.at

Artenschutzprojekt Waldrappteam

Auf dem Weg zum 10-Jahresfest von Esperanza hat Verhaltensforscherin Dr. Carola Otterstedt die Kon-
rad-Lorenz Forschungsstelle Grünau im Almtal besucht und uns beim Fest dann begeistert von den Wald-
rappen erzählt, auf die sie dort aufmerksam gemacht wurde. Wir haben recherchiert und betroffen fest-
gestellt, dass von dem „Geronticus eremita“, der in Mitteleuropa viele Jahrhunderte heimisch war, heute
nur noch eine letzte Kolonie von rund 350 Vögeln an der Atlantikküste in Marokko nahe Agadir anzutref-
fen ist. Die zunehmende Besiedlung, Störung der Brutkolonien und Bejagung dürften die Hauptursachen
für das Aussterben dieser hoch sensiblen und sozialen Tiere in Mitteleuropa gewesen sein. Nun versucht
man in Grünau eine Wiederansiedelung der Waldrappe.

International bekannt wurde das Artenschutzprojekt durch die „geleiteten Migrationen“ der Waldrappe:
Nachkommen von Zoovögeln werden von menschlichen Zieheltern aufgezogen und darauf trainiert Ultra-
leicht-Fluggeräten zu folgen. Auf diese Weise gelang es im Frühjahr 2007 erstmals, Waldrappe vom Auf-
zuchtsgebiet in Oberösterreich in ein geeignetes Wintergebiet in die Toskana zu führen. Nähere Infos
unter: www.waldrappteam.at

Kongress „Mensch und Tier 2008“ und 4. Internationales TAT-Symposium

Der interdisziplinäre Kongress „Mensch und Tier“ wird dieses Jahr vom 25. bis 27. September in Berlin
veranstaltet und widmet sich besonders Themen, die den Beitrag und die Bedeutung der Tiere für die
Gesundheit der Menschen behandeln. (Anmeldeschluss ist der 18. September 2008).

Das 4. Internationale TAT-Symposium steht unter dem Titel: „Professionelle Tiergestützte Therapie – Pla-
nung, Praxis, Evaluierung“ und findet am 3. und 4. Oktober 2008 an der Vet. Med. Universität Wien statt.

Esperanza plant, an beiden Veranstaltungen teilzunehmen. Nähere Infos auf unserer Website und unter: www.mensch-tier-kongress.de und www.tierealstherapie.org

DVD-Rezension: Ana Ex

„Ana Ex“ ist zart, wirkt federleicht und hat große unschuldige Augen – als die Magersucht in Person ist sie
jedoch alles andere als liebenswert. Erstmals steht sie einer Psychotherapeutin in einem Interview Rede
und Antwort. Äußerst bereitwillig plaudert sie über ihren wachsenden Einfluss auf junge Mädchen und
Burschen und ihre Strategien, diese in ihren Bann zu ziehen und ihnen die Lebenskraft zu nehmen. Geht
es um ihre Schwächen, um ihre Feinde und ihr Scheitern, wird sie ungehalten und boshaft. Doch gerade da
zeigt sie Wege auf, wie sich Magersucht besiegen lässt.

„Ana Ex“ ist die Hauptdarstellerin einer DVD des Institutes für Systemische Therapie (www.ist.or.at) und
versucht Betroffenen auf kreative, spielerische Weise bei der Bewältigung ihrer Störung zu helfen – diese
wird durch eine Puppe versinnbildlicht und so als etwas behandelt, das sich außerhalb der Betroffenen be-
findet. „Ana Ex“ unterstützt die psychotherapeutische Arbeit und die Präventionsarbeit mit Jugendlichen
und vermittelt auch den Angehörigen von Magersüchtigen Einsichten in die Wirkmechanismen dieser Ess-
störung.

Institut für Systemische Therapie, Wien: Ana Ex. Wie die Magersucht siegt und wie sie scheitert.
Carl Auer Verlag, 2008. DVD, 30 Minuten, Format 16:9, € 19,90

Weitere Mediaempfehlungen finden Sie unter „Mediainfos“ auf unserer Website.

WICHTIG: Rechtliche Hinweise > Newsletter 5/08 von Esperanza – Bitte anmelden!

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IMPRESSUM
Medieninhaberin: ESPERANZA, Mag. Martina Kotzina – Redaktion: viennAventura, Mag. Priska Steger

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