SOS Jugendwohlfahrt oder Eisige Kälte in der österreichischen Sozialpolitik
Der Newsletter 1/10 von Esperanza

Liebe Freundinnen und Freunde der tierunterstützten Pädagogik!

Wenn das Mostviertel in Kälte und Schnee versinkt und abendliche Stille am Hof einkehrt, kann man schon ins Grübeln geraten: Ist es nicht faszinierend, wie in Österreich quasi über Nacht ein enormes Vermögen für die Sanierung von Banken bereit gestellt werden kann? Wie schön wäre es, wenn das anderswo auch ginge. Bei unseren Tagsatzverhandlungen wurde jedoch vor kurzem an das Gewissen der WG-Verantwortlichen appelliert, dass in Zeiten wie diesen jede/r sparen muss und daher auch das Budget verkürzt werden muss.

In Österreich leben schätzungsweise mehr als eine Million Kinder. Davon sind etwa 11.000 fremduntergebracht. (Laut Jugendwohlfahrtsbericht 2008 wurden 10.557 Minderjährige im Rahmen der vollen Erziehung bei Pflegeeltern, in sozialpädagogischen Wohngemeinschaften, Kinder- und Jugendheimen, Kinderdörfern und sonstigen Einrichtungen betreut.)

Es geht also um das Budget für einen minimalen Prozentsatz der in Österreich lebenden Kinder. Das müsste doch ein Klacks im Gesamtbudget sein. Jeder in die Jugendwohlfahrt investierte Cent kann sich später vielfach auszahlen, hingegen jeder jetzt eingesparte Cent später vielfach höhere Kosten bedingen.

Ganz abgesehen davon, dass die Notwendigkeit der Fremdunterbringung von Kindern das Ergebnis von gesellschaftlichen Schwachpunkten ist und die Gesellschaft sich daher umso mehr dafür verantwortlich zeigen sollte, für diese Kinder zu sorgen. Ohne Wenn und Aber. Und auch über das 18. Lebensjahr hinaus. Wie es eben so üblich ist. Oder setzen Eltern einer Vorzeigefamilie ihr Kind mit den Worten „Jetzt bist du volljährig und musst daher auch völlig alleine klar kommen“ vor die Tür, wenn es 18 geworden ist? Raus aus dem Nest? Aus den Augen und aus dem Sinn? So geht es aber den „Fremduntergebrachten“ derzeit aus gesetzlicher Sicht. Und besser scheint es für sie auch mit dem neuen Jugendhilfegesetz nicht zu werden, wenn man nach den bisherigen Entwürfen urteilt.

Daher unterstützt Esperanza die Anliegen der IG „Chancen „ins“ Gesetz“, die vom SOS Kinderdorf gegründet wurde und mittlerweile von zahlreichen Institutionen mitgetragen wird.

Wir hoffen auf baldiges Tauwetter und auch auf ein wärmeres Klima in der österreichischen Sozialpolitik!
Mit herzlichen Grüßen, Martina Kotzina und das Team von Esperanza

P.S.: Wenn Sie daran interessiert sind, den Esperanza Newsletter regelmäßig zu erhalten, tragen Sie sich doch bitte in unseren Verteiler ein.


Themen im Februar 2010
E  SOS Jugendwohlfahrt
S  Esperanza Fortbildung 2010: Noch Plätze frei!
P  Sponsoring für WG-Urlaub gesucht
E  Wiener Studie: Tierliebe bedeutet soziale Kompetenz
R  Sommer-Ferienaktion 2010
A  Aktion Regen
N  Kormoran im Visier
Z  Buchrezension: Mädchen und Jungen entdecken ihre Geschichte
A  Wichtig: Rechtliche Hinweise


SOS Jugendwohlfahrt

Die Interessensgemeinschaft „Chancen „ins“ Gesetz“ wurde von SOS Kinderdorf ins Leben gerufen, ihr gehören aber mittlerweile zahlreiche Einrichtungen der Jugendwohlfahrt an. Seit 2007 besteht die dringende Forderung an die Politik, den Schutz von Kindern nachhaltig zu verbessern und ohne Ausnahmen allen Kindern / Jugendlichen / jungen Erwachsenen in schwierigen / belastenden Lebenslagen die entsprechende Unterstützung und Förderung zu gewähren.

Eine Verankerung der Kinderrechte in der Österreichischen Bundesverfassung etwa würde ein wichtiges gesellschaftliches Signal bedeuten. Die IG Chancengesetz fordert eine große Novelle des Jugendwohlfahrtsgesetzes im Sinne einer wirksamen und modernen Kinder- und Jugendhilfe und zeigt sich mit den bisherigen Gesetzesentwürfen nicht zufrieden.

Mehr dazu unter: www.sos-kinderdorf.at

Esperanza Fortbildung 2010: Noch Plätze frei!

Unser berufsbegleitendes Fortbildungsangebot soll allen Interessierten über Grundlagen und Hintergründe unserer Arbeit hinaus zentrales Wissen zur praktischen Umsetzung des Esperanza-Prinzips in tierunterstützten Projekten und Einrichtungen der Jugendwohlfahrt vermitteln.

Noch besteht die Möglichkeit, sich für unsere Veranstaltungen 2010 anzumelden:
Modul 1: „Einführung in die tierunterstützte Pädagogik“ (24. + 25. April 2010)
Modul 2: „Das Esperanza-Prinzip in seiner praktischen Anwendung“ (13. bis 16. Mai 2010)

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Website bzw.
kontaktieren Sie bitte Mag. Martina Kotzina unter: +43–(0)664–461 02 12

Sponsoring für WG-Urlaub gesucht

Nach schneereichen Wintermonaten träumen wir wieder von einer Sommerreise und von Sonne, Sand und Meer. Obwohl Esperanza ein schöner Platz zum Leben ist, brauchen auch wir manchmal eine Auszeit. In Griechenland könnte das sein, oder auch in Ägypten, Portugal, Italien, Spanien oder auf einer fernen Insel – Hauptsache ans Meer! Doch es ist alles andere als einfach, für eine Gruppe mit fast zwanzig Leuten einen Urlaub zu organisieren, vor allem wenn das Geld dafür eigentlich nicht reicht.

Wer kann uns helfen? Wir bitten um Unterstützung!

Wiener Studie: Tierliebe bedeutet soziale Kompetenz

Eine vor kurzem im Fachmagazin „anthrozoös“ veröffentlichte Wiener Studie bestätigt, dass der Umgang eines Menschen mit Tieren auch darüber Auskunft geben kann, wie es um seine Beziehung zu anderen Menschen steht. Viele Kinder lieben Tiere, aber Kinder, die sozial gut eingebettet sind, zeigen ihre Liebe zu den Tieren oft deutlicher als die einsamen.

Die VerhaltensbiologInnen der Universität Wien setzten bei ihrem Projekt auf quantitative ethologische und soziometrische Methoden: In einen Kremser Kindergarten zogen für einige Monate sechs Kaninchen ein. Eine Videokamera dokumentierte, welche Kinder in welcher Form und wie lange mit den Kaninchen interagierte. PädagogInnen und Eltern füllten zusätzlich einen Fragebogen bezüglich der Persönlichkeitsstruktur der Kinder und deren familiären Hintergrund (Geschwister, Haustiere etc.) aus. Zusätzlich war das Spielverhalten der Kinder beobachtet worden.

Abstract zum Originalartikel (Englisch):
www.anthrozoology.org

Sommer-Ferienaktion 2010

Unsere „Erlebnisferien am Bauernhof“ finden heuer vom 10. Juli bis 24. Juli 2010 statt.
Nähere Infos auf unserer Website unter: Einrichtung der Jugendwohlfahrt > Ferienaktionen

Aktion Regen

In den Weihnachtsferien konnten wir uns über den Besuch der Frauenärztin Prof. Dr. Maria Hengstberger freuen, die vor mehr als zwanzig Jahren die „Aktion Regen“ gegründet hat, um in Entwicklungsländern wieder Wasser an die Wurzeln des größten Problems dieser Welt zu bringen: Dort wo es kein Geld für Brot gibt, gibt es erst recht kein Geld für Verhütungsmittel, und die Menschen haben zusätzlich an den Folgen einer enormen Bevölkerungsdichte zu leiden.

Dr. Hengstberger hat mit unseren Jugendlichen über diese Problematik, aber auch über andere Themen der Verhütung gesprochen und ist dabei (wie nicht anders zu erwarten) auf großes Interesse gestoßen.

Aktuell wird mit den Spenden für die „Aktion Regen“ ein regionales Gesundheitszentrum in Ruanda aufgebaut, dem zur Zeit am dichtesten besiedelten Land Afrikas, das nach dem Völkermord von 1994 noch viel Hilfe zur Selbsthilfe benötigt: www.aktionregen.at

Kormoran im Visier

Der Kormoran wurde von der Vogelschutzorganisation BirdLife zum „Vogel des Jahres 2010“ gewählt. Darüber können sich aber längst nicht alle TierschützerInnen freuen. „Fisch oder Vogel“, das ist hier die Frage.

So halten etwa die Ybbstaler Fischer diese schwarzen Vögel für eine echte Plage, da sie als geschickte Unterwasserjäger jeden Winter den Fischbestand der Äsche arg dezimieren (> Verein „Rettet die Ybbsäsche“, www.ybbs-aesche.at). Dabei waren die Kormorane vor wenigen Jahren aus unserer Gegend bereits fast verschwunden und konnten erst durch besondere Schutzmaßnahmen wieder heimisch werden.

Laut Ornithologen überwintern in Österreich jetzt wieder 4.000 bis 4.500 Kormorane, 60 Prozent davon entlang der Donau. Um sowohl den Fischen als auch den Wasservögeln ausreichend Lebensraum zu schaffen, müsste wohl die ökologische Situation der Gewässer stark verbessert werden. www.birdlife.at

Buchrezension: Mädchen und Jungen entdecken ihre Geschichte

Biografiearbeit kann ein erfolgreicher Weg sein, seelisch verletzten Kindern und Jugendlichen, die von ihren Eltern oder Elternteilen getrennt leben, Klarheit über ihre Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu verschaffen. So können sie ihre Geschichte und ihre aktuelle Lebenssituation besser verstehen und aufarbeiten. Es geht dabei um Fragestellungen wie: Wer bin ich? Woher komme ich? Warum musste ich fort? Warum lebe ich hier? Was wird aus mir?

Dieses Buch vermittelt die Grundlagen und Methoden der Biografiearbeit und bietet zusätzlich viele Anregungen und Übungen zur praktischen Umsetzung.

Birgit Lattschar, Irmela Wiemann: Mädchen und Jungen entdecken ihre Geschichte.
Grundlagen und Praxis der Biografiearbeit. 2. Auflage. Juventa Verlag, 2008.

Weitere Mediaempfehlungen finden Sie unter „Mediainfos“ auf unserer Website.

WICHTIG: Rechtliche Hinweise > Newsletter 2/10 von Esperanza – Bitte anmelden!

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IMPRESSUM
Medieninhaberin: ESPERANZA, Mag. Martina Kotzina – Redaktion: viennAventura, Mag. Priska Steger

Die Infos wurden sorgfältig ausgewählt. Es wird jedoch keine Haftung übernommen. Verwendung des „ESPERANZA NEWSLETTER“ (erscheint mehrmals jährlich mit Informationen, Terminen und Veranstaltungen von Esperanza im Rahmen der tierunterstützten Pädagogik) über den privaten Gebrauch hinaus bitte ausschließlich nach Rücksprache.

© ESPERANZA – Zentrum für tiergestützte Pädagogik
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